Regionalverband
Magdeburg-Jerichower Land e.V.


 

„Komm, Schuhe und Jacke aus, Frau Becker wartet schon“, klingt es leise in der Umkleide. Kurz darauf geht die Tür zum Gruppenraum auf, ein kurzes „Hallo“, ein Abschiedskuss, eine Umarmung und auf zur Arbeit. Für Eltern ist der Kitaalltag ein anderer, als der ihrer Kinder. Für die Kleinen beginnt er, wenn Mutti und Vati durch die Fensterscheibe nicht mehr zu sehen sind. Dann startet ein Abschnitt in ihrem Leben, der von außen kaum greifbar ist. Einer in dem es um Selbstbestimmung, Miteinander und Regeln geht. Einer, in dem motorische Fähigkeiten genauso gefördert werden, wie Sprachkompetenzen und Allgemeinwissen. Das zeigte mir der Tag in der Kita „Gänseblümchen“, des DRK-Regionalverbandes Magdeburg-Jerichower Land e.V., an dem ich in acht Stunden sechs Jahre kindlicher Entwicklung erleben durfte. Vom krabbelnd die Welt entdecken, bis zum Schreiben des eigenen Namens.

Kinder wirken im Herzen, das kann jede Mutti und jeder Vati bestätigen. Ihre kleinen Füße und Hände, ihr Lächeln und ihre eigene Art das Leben als etwas Gutes zu verstehen, übertragen sich schnell auf die Erwachsenen um sie herum. Als Mann in einer Kindertageseinrichtung wird einem das schnell klar. Vor allem dann, wenn die eigenen Kinder bereits die Pubertät erreicht haben. Die Kitawelt wird beherrscht von vielem, vor allem aber von Vertrauen. Ein Vertrauen, wie es einem nur Kinder bis zu einem bestimmten Alter entgegenbringen können, weil sie das Schlechte der Welt noch nicht in den Vordergrund ihres Denkens gerückt haben.

So erzählen die „Eichhörnchen“ und „Schmetterlinge“ im Morgenkreis ihrer jeweiligen Gruppen von ihren Erlebnissen, während sie sich dicht an dicht kuscheln und so ganz nebenbei die eigene Unsicherheit überwinden. Dinge, die für Erwachsene normal sind, sind für Kinder oft Neuland und so, wie wir Lampenfieber durch Zuspruch und Vertrauen überwinden, überwinden auch Kinder ihre Ängste auf eine bestimmte Weise. Kinder brauchen dazu Nähe und Zuneigung. Aspekte, die der Alltag meist überdeckt. In der Kita aber ist es das pädagogische Personal, das diese Aspekte berücksichtigt und an der Oberfläche hält. Egal ob beim spielenden Lernen von Farben und Formen oder beim fantasievollen interagieren mit Puppen, Rittern und Autos, die Erzieher sind mittendrin, geben Anreize, Hilfestellungen und das Gefühl von Sicherheit. Sie sind nicht nur Vermittler von Werten und Normen am Frühstücks- und Mittagstisch, sie sind auch Spielgefährten und Elternersatz, in einer Zeit, in der die Eltern nicht da sein können. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich zum Puppenvater werde oder beim Malen eines Regenbogens behilflich sein darf, um kurz drauf die Tränen weg zu pusten, die bei Kindern schon mal vorkommen. Die Liebe, die die Kinder geben wollen, ist in allen Altersgruppen zu spüren. Sie äußert sich im Sozialverhalten untereinander und auch gegenüber dem pädagogischen und technischen Personal. Sie zeigt sich daran, dass umarmt, gekuschelt und einbezogen wird in die kindliche Welt, in der das Böse stets besiegt und das Gute allgegenwärtig ist.

Auch zur Mittagszeit, in der sich brav angestellt wird, weil sich das so gehört. Die Entscheidung, Nudeln mit der Gabel oder dem Löffel zu essen, fördert dann zusätzlich das selbstbestimmte Handeln, wie die Entscheidung, ob die Zahnpasta vom Zebra oder vom Biber besser ist.

Die Kita ist ein Ort zum Lernen und einer in der Pflicht und Kür friedlich interagieren. Genau das ist beim Mittagsschlaf deutlich erkennbar. Während die einen die Auszeit nutzen, um die Erlebnisse des Vormittags in ihren Träumen aufzuarbeiten, sehen andere keine Veranlassung dazu. Sie dennoch durch das Kraulen des Kopfes oder das Streicheln einer Hand zur Ruhe zu bekommen, spiegelt die enge und innige Beziehung zwischen Erziehern und Kindern wieder. Die Frage: „Kannst Du mir helfen“, zeugt ebenso davon, wie das Bedürfnis der Kinder getragen zu werden oder sich auf den Schoß zu setzen. Und sei es nur, um beim Vorlesen alles besser sehen und hören zu können.

 

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