Regionalverband
Magdeburg-Jerichower Land e.V.


 

Als die ersten Sonnenstrahlen am Waldrand das Gras zum Sprießen brachten und ihre Wärme in die Hasenwohnung kam, da kam aus dem kleinen weichen Fellknäuel ein großes langes Ohr hervor. Kurz darauf waren es zwei und auch ein kleiner, weißer Stummelschwanz war plötzlich zu sehen. „Ah, der Frühling ist da“, murmelte ein kleines Häschen und streckte sich. „Nur gut, dass wir Hasen keinen Winterschlaf halten“, redet es mit sich selbst, hoppelte an das Loch seines Hasenbaues und schaute hinaus. Tiefe atmete das Häschen ein. „Herrlich, dieser Duft und wie schön die Krokusse blühen“, dachte es sich und sprang hinaus auf die grüne Waldwiese. Auch andere Hasen kamen heraus und genossen die Sonne auf ihren Fellen. Wild sprangen sie umher, freuten sich darüber, dass der Winter vorbei war. Keiner der Hasen dachte daran, dass nun auch die Kinder alle wieder von den warmen Stuben nach draußen strömten, und keiner der Langohren dachte daran, dass mit dem Frühling auch die Osterzeit ist.

Statt die großen Kiepen zu packen, die der Osterhase würde bald abholen, putzten sie ihre Baue und tollten umher. Nur Hansi wurde das Gefühl nicht los, dass die Hasen in dem langen Winter etwas vergessen hatten. Doch immer, wenn er die anderen darauf ansprach, wollten die davon nichts hören. Hansi das Häschen aber setzte sich an den Waldrand, schaute über das Feld hinüber zum Dorf und überlegte. Waren es die Möhren, die jetzt gesammelt werden sollten? Waren es die Hasenkinder, die zur Hasenschule mussten? Hansi wollte es nicht einfallen. Als es Abend wurde und die Sonne langsam unterging, da hoppelte auch Hansi zurück zu seinem Bau. Als er so hoppelte und nach dem Fuchs Ausschau hielt, da stolperte er mit seinen Samtpfoten über einen Stein. „Ach, sowas, jetzt bin ich ganz dreckig“, schimpfte Hansi und schaute auf den Stein. Und als er den Stein so liegen sah, nicht rund und nicht eckig, da fiel es ihm wieder ein. „Wir haben die Ostereier vergessen!“

Aufgeregt hoppelte er von Hasenbau zu Hasenbau und rief „Die Ostereier, wir haben die Ostereier vergessen.“ Ein Hase nach dem anderen schaute aus seinem Bau heraus und wunderte sich, warum Hansi in der Dunkelheit noch draußen herum hoppelte und schrie. Wusste er denn nicht, dass nachts der Fuchs umherschlich. „Die Ostereier, die Ostereier“ schrie Hansi immer wieder und langsam kamen alle Hasen aus ihren Bauen. „Hansi hat recht“, meinte auf einmal Lisa die Häsin von nebenan: „Wir haben vergessen, für den Osterhasen die Ostereier zu bemalen und zu färben.“ Alle Hasen schauten und sogleich verschwanden sie wie vom Blitz getroffen in ihren Bauen, hüpfte durch die Gänze zu ihren Wohnhöhlen. Niemand hatte in den letzten Wochen, in denen draußen der Schnee so hoch lag, dass selbst die Rehe nichts mehr sehen konnten, die Ostereier bemalt. Alle hatte gespielt, geschlafen oder irgendetwas anderes gemacht. Jetzt aber waren sie aufgeregt. Während alle ihre Pinsel und die Farbeimer schnappten und begannen die weißen und braunen Eier in bunte Ostereier zu verwandeln, buddelte Hansi durch Waldboden und unter dem Feld entlang.

Er grub mit seinen Pfoten, so schnell er konnte und als es morgen wurde, war er angekommen, am Eingang des Dorfes. Dorthin musste ja der Osterhase, wenn er die Ostereier für die Kinder verstecken wollte. Am Feldrand, direkt neben den Häusern, warf er die letzte Erde heraus und ruhte sich erst einmal aus. Auch die anderen Hasen waren total müde vom vielen Malen. Überall in ihrem Fell hatten sie rote, blaue, grüne und gelbe Flecken, mache sogar auf ihren Nasen und bei anderen war der kleine weiße Stummelschwanz sogar bunt. So legten sie sich schlafen und als am Nachmittag der Osterhase kam, um die vielen Ostereier abzuholen, da musste er erst einmal lachen. So bunte Hasen hatte er vorher noch nie gesehen. Nur bei Hansi dem Häschen fand er niemanden im Bau. „Wo ist denn der Hansi“, fragte er die anderen Hasen, doch keiner wusste es. Und als der Osterhase noch einmal in Hansis Hasenbau schaute, da sah er diesen langen Tunnel, den er mit seiner schweren Kiepe, die voll war mit den vielen Ostereiern und Geschenken, entlang hoppelte. Dunkel war er, aber am Ende da sah er ein kleines Licht.

Dort angekommen sah er Hansi, erschöpft lag er auf dem Boden. „Ach Hansi“, meinte der Osterhase und pellte ein Osterei. „Weil Du so fleißig warst, sollst Du als Erster in diesem Jahr ein Osterei bekommen. Hansi das Häschen freute sich, biss in das Ei und ihm ging es gleich viel besser. Vorsichtig stecke er den Kopf aus dem Gang, den er die ganze Nacht gebuddelt hatte und schaute zu, wie der Osterhase alle die tollen Sachen versteckte und dann wie sie die Kinder suchten. So war das Osterfest von einem kleinen Hasen namens Hansi gerettet. Die Kinder und ihre Eltern freuten sich, dass der Osterhase da war und genossen, wie die Hasen im Wald, den Frühling.

Christian Luckau

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