Regionalverband
Magdeburg-Jerichower Land e.V.


 

Was Mobilität und Beweglichkeit bedeuten, wissen wir erst dann, wenn wir in diesen nicht mehr vorhanden sind. Das kann schon dadurch passieren, wenn durch einen Unfall das ruhighalten eines Beines ärztlich verordnet wurde. Dann können Treppensteigen und Autofahren unmöglich sein. Gerade bei Erkrankungen, die das körperliche Wohlbefinden beeinträchtigen, werden Mobilität und Beweglichkeit stark eingeschränkt. Hilfe ist dann notwendig! Der Weg zum Arzt, ins Krankenhaus oder zu Pflegeeinrichtungen kann so, allein nicht bewältig werden. Familienmitglieder stehen oftmals zur Seite, können aber auch nicht immer da sein. Der DRK-Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land e. V. bietet mit seinem Krankenfahrdienst eine Alternative, die durch medizinisch geschultes Personal abgesichert wird.

Im Fahrdienst geht es nicht um Minuten, wie es beim Rettungsdienst der Fall ist. Es geht in erster Linie um Empathie, ums Zuhören, ums Dasein und darum einen sicheren Transport von Zuhause zum Arzt oder aus dem Krankenhaus in die eigene Wohnung zu gewährleisten.

Dafür sind die zehn Mitarbeiter im Fahrdienst des DRK-Regionalverbandes da. Zwei Tage durfte ich dabei sein, erleben, mitfühlen. Dabei sein, bei den kurzfristigen und langen Fahrten, die für die Patienten die letzte Möglichkeit waren, aus dem Krankenhaus nach Hause oder rechtzeitig zur lebenswichtigen Dialyse zu kommen. Erleben, wie sich Menschen freuen, dass ihnen Aufmerksamkeit geschenkt und zugehört wird. Mitfühlen, wie Familienangehörige sich sorgten, Haustiere sich freuten.

Der Fahrdienst ist direkt, er ist nah dran. Er ist aber auch in gewisser Weise ein Termingeschäft. Er lässt kaum Möglichkeiten für Pausen, dafür viele Optionen Menschen kennenzulernen, die in ihrem Leben viel erlebt und deshalb viel zu erzählen haben. Verständnis für die individuelle Situation zu haben, ist ein großer Vorteil in dieser Arbeit. Es macht das Hineinfühlen einfacher. Lässt das Gewicht der Patienten, die da auf der Trage liegen oder im Krankenstuhl sitzen, weniger erscheinen. Es ist eine Arbeit, die eben nicht nur Muskeln erfordert.

Mitdenken wird großgeschrieben! Nicht nur, weil einmal mehr die Türen für die lange Krankentrage zu schmal, die Ecken in den Fluren zu klein sind und beim Manövrieren weder die Trage noch der Patient Schaden nehmen sollen. Mitdenken ist wichtig, denn neben dem Patienten müssen auch seine persönlichen Dinge, die Papiere der Ärzte mitgeführt und überbracht werden. Zudem darf die persönliche Sicherheit nicht leiden. Auch daran ist zu denken! Einmalhandschuhe wurden in den zwei Tagen, in denen ich im Krankenfahrdienst tätig war, zu meinen ständigen Begleitern. Der Geruch des antibakteriellen Desinfektionsmittels mutete, nach einer mehrmaligen Anwendung, vertraut, beinahe herrlich an. Für die Patienten schien es normal, keiner frage jemals danach, aber beinahe alle hatte ein Lächeln für uns übrig.

In der Dienstkleidung, die aus blauer Hose, weißem Pullover und weißen Schuhen bestand, waren wir in den Pflege- und Seniorenheimen, in den Krankenhäusern keine Besucher mehr, wir gehörten dazu. Das wurde mir sehr schnell klar. Pflegepersonal und die Menschen in den Einrichtungen sprachen mit uns, wie mit einem lang Bekannten. Es eröffnen sich andere Welten. Welten, die ich bisher kaum wahrgenommen hatte.

Auch der Krankentransportwagen (KTW) war eine solche, vollkommen andere Welt. Nicht nur, weil er seinen ganz eigenen Geruch hatte. Auch die Fahrten waren etwas Neues. Mit den Patienten gemeinsam im Patientenraum zu verbringen, mit ihnen über das zu sprechen, was sie bewegt, bewegte oftmals auch mich. Gerade, weil Ängste und Sorgen über die Kinder und Enkel, das eigene Leben geäußert wurden. Auch viel Glückliches erfuhr ich. Als Fahrdienstler ist das offene Ohr genauso Grundvoraussetzung, wie die Kraft in Armen, Beinen und im Rücken, hatte ich das Gefühl.

Nicht immer war es einfach, die Patienten bis in die oberste Etage zu tragen, doch immer war es schön sie dort, in ihrem eigenen Heim, zu sehen und zu erleben. Zuhause zu sein, bedeutet Geborgenheit, gerade nach einem langen Krankenhausaufenthalt und noch mehr, wenn dort jemand wartet.

Mein Fazit: Mit dem Fahrdienst hat der DRK-Regionalverband mehr als eine Transportmöglichkeit für in ihrer Mobilität und Beweglichkeit eingeschränkte Personen. Der Fahrdienst ist im Kleinen, mit seinen vier Krankentransportfahrzeugen auch Bürgerhaus und Sozialstation auf Rädern, ganz ohne diesen Anspruch auch für sich zu erheben. Für Patienten ist der Fahrdienst das Tor, die Welt weiterhin erleben zu können und wenn es sein muss, dann reicht der Blick durch dieses Tor nicht nur um den Kirchturm herum, sondern auch über das gesamte Jerichower Land und bis in das Bundesgebiet hinein, denn der Fahrdienst des DRK-Regionalverbandes fährt und betreut Patienten und Personen dabei deutschlandweit, wenn dies gewünscht wird.

Christian Luckau

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