Regionalverband
Magdeburg-Jerichower Land e.V.


 

Leben werden in Notsituationen in Sekunden durch die Abarbeitung bestimmter Schemata und die Gabe geeigneter Medikamente gerettet. Um die Applikation, also die Gabe von Medikamenten und die Untersuchung von Patienten, ging es deshalb nun im ersten Teil eines Pilotprojektes, das von der DRK-Rettungsdienst Magdeburg-Jerichower Land gGmbH und der Landesrettungsschule durchgeführt wurde.

Jerichower Land | Damit in einem medizinischen Notfall die Rettungskräfte noch besser helfen können, ist durch den Gesetzgeber im letzten Jahr das Rettungsdienstgesetz novelliert wurden. Der neue Berufsstand der Notfallsanitäter erhielt darin erweiterte Kompetenzen, die medikamentöse Applikationen auch ohne Notarzt möglich machen. Um diese Kompetenzen erhalten zu können, ist es für Notfallsanitäter mit dem neuen Gesetz aber auch notwendig, eine jährliche Fortbildung abzulegen und alle zwei Jahre erfolgreich an einer Rezertifizierung teilzunehmen. Die leitenden Notärzte der Landkreise in Sachsen-Anhalt einigten sich darauf, diese Rezertifizierung zentral an einer Hallenser Klinik durchführen zu lassen.

Die Praxis zeigte nun aber, dass die Klinik selbst nicht die notwendigen Kapazitäten für die rund 1000 Notfallsanitäter, die im Land Sachsen-Anhalt tätig sind, vorhalten kann. So entschied sich die DRK-Rettungsdienst Magdeburg-Jerichower Land gGmbH nach Rücksprache mit dem leitenden Notarzt des Jerichower Landes, Dr. Karsten Beyer, für ein Pilotprojekt, bei dem die Landesrettungsschule beteiligt ist. Wie der Prokurist der DRK-Rettungsdienst gGmbH, Jörg Stumpf, mitteilt, liegt der Vorteil der dezentralen Ausbildung vor allem in der Verfügbarkeit der eigenen Ausbildungsstätten, die genutzt werden können.

„Mit dem Gewinn der Landesrettungsschule haben wir für die Rezertifizierung unserer Notfallsanitäter einen kompetenten Partner an unserer Seite, der sich ohnehin für die Ausbildung neuer Notfallsanitäter verantwortlich zeichnet. Für uns steht fest: Wer ausbilden kann, der kann auch weiterbilden“, so Stumpf. Auch Andreas Krebs, stellvertretender Schulleiter der Landesrettungsschule und dortiger Koordinator für Aus-, Fort- und Weiterbildung, sieht in der dezentralen Ausbildung viele Vorteile.

„Bereits die vorherige Schulung der notwendigen Praxisanleiter hat viele Impulse erzeugt, die die DRK-Rettungsdienst gGmbH bei der Ausbildung ihrer eigenen Notfallsanitäter nun aufnehmen wird.“ Die vorgeschriebene Prüfung der Kompetenz von Notfallsanitäter bei invasiven, notfallmedizinischen Maßnahmen erfolgte nun also erstmals bei der DRK-Rettungsdienst gGmbH selbst. Hierzu wurden Kleinstgruppen gebildet, die an fünf Stationen vor allem die Applikation von Medikamenten weiter verinnerlichten. Andreas Krebs erläuterte den Aufbau der achtstündigen Ausbildung wie folgt: „Nicht immer können Medikamenten oral verabreicht werden, deshalb ist es für Notfallsanitäter wichtiger, die Zugangsarten für Medikamentengaben in Ruhe üben zu können. Dies ist hier faktisch unter Laborbedingungen für jeden Einzelnen und im Detail möglich, weil jeder Teilnehmer eigene Übungs- und Trainingszeiten erhält. Das zahlt sich aus. Während in großen Gruppen vor allem die Vorführung im Mittelpunkt steht, erhalten die Notfallsanitäter hier vor Ort die Möglichkeit alles selber zu machen und so die eigenen Automatismen zu trainieren.“

Wie dieses Training aussah, zeigte er bei einem Rundgang. Fünf Stationen waren für die Prüfung der Kompetenzen eines Notfallsanitäters aufgebaut. So wurden die Gabe von Medikamenten in den Muskel, über die Nase, in den Knochen und die Vene von jedem einzelnen Teilnehmer im Detail an Übungspuppen durchgeführt. „Die Gabe von Medikamenten über unterschiedliche Wege ist bei verschiedenen Krankheitsbildern und Situationen notwendig. Während der Venenzugang als Standard angesehen werden kann, ist die muskuläre Medikamentengabe nicht nur bei Impfungen angebracht. Vor allem bei der Gabe von Antihistaminika und Adrenalin kann auf eine muskuläre Verabreichung zurückgegriffen werden. Anders sieht es bei Krampfanfällen aus, bei denen der Patient zittert. Dort dienten uns die Schleimhäute zur Medikation. Die erreichen wir durch Fixierung des Kopfes und Gabe der Medikamente über die Nase. Ist ein venöser oder anderer Zugang nicht gegeben, bleibt als letzte Option die Verabreichung durch den Knochen“, so einer der Teilnehmer.

Mit dem ersten Teil der Überprüfung der erweiterten Kompetenzen zeigte sich Jörg Stumpf zufrieden. „Die bisherigen Prüfungsergebnisse lassen einen hohen Ausbildungs- und Kenntnisstand unserer Notfallsanitäter erkennen. Ich bin zuversichtlich, dass am Ende alle Teilnehmer die Rezertifizierung bestehen werden.“ In diesem Zusammenhang verwies er auf einen zweiten, notwendigen praktischen Teil, in dem die DRK-eigenen Notfallsanitäter zusätzlich die Versorgung von Schwerverletzten weiter verinnerlichen können. Hierzu zählen die Blutstillung mittels Abbinden, die Thoraxpunktion, bei Verletzungen des Brustkorbes, das Anlegen von Beckenschlingen bei Unfallopfern und das Besprechen neuer standardisierter Untersuchungsschemata.

Notfallsanitäter Mario Kuhtz führt hier die intranasale Gabe von Medikamenten vor. Detailansicht intranasale Applikation von Medikamenten. Detailansicht intranasale Applikation von Medikamenten. Detailansicht intraossär Applikation von Medikamenten. Notfallsanitäter David Friedrich bei der Vorbereitung einer muskulären Medikation 

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