Regionalverband
Magdeburg-Jerichower Land e.V.


 

Es ist 7 Uhr, die Sonne verbirgt sich noch hinter dem Horizont. An der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises Jerichower Land herrscht dennoch betrieb. Mitten im Gewerbegebiet der Stadt Burg versammeln sich junge Menschen, die sich für ein Ereignis vorbereiten, das im Verlauf des Tages und in bestimmten Phasen zu einer echten Herausforderung für viele Einsatzkräfte werden wird.

Die 20 jungen Menschen kommen aus verschiedenen Landkreisen. Noch lachen sie. In gut 90 Minuten aber werden sie vor Angst und Panik schreien, Schürf- und Schnittwunden aufweisen, gebrochene Knochen haben. Bis dahin gilt es aber alles vorzubereiten, denn sie sind Notfalldarsteller des Jugendrotkreuzes und verstehen sich darauf, Verletzungen täuschend echt zu schminken und darzustellen. Ihnen zur Seite stehen Menschen, die sich für die Übung als Mimen zur Verfügung gestellt haben.

Warum sie dies an diesem Morgen tun, erklären wenig später Rettungsdienstleiter Jörg Stumpf, sein Stellvertreter Christian Lux und Ehrenamtskoordinator Marco Krüper, der an diesem Tag den Betreuungszug des Katastrophenschutzes betreut.

Neun Monate haben sie auf diesen Tag hingearbeitet, jetzt ist es soweit. Nur wenige Meter von ihnen entfernt liegt ein Linienbus auf der Seite. Es ist ein Szenario, wie es laut dem leitenden Notarzt des Landkreises Jerichower Land, Dr. Karsten Beyer, im Landkreis, als Realereignis, längst überfällig ist.

Das wissen auch die 55 Rettungsassistenten, Notfallsanitäter und Auszubildenden im Rettungsdienst, sowie die fünf Notärzte und die 29 Feuerwehrmitglieder aus den Städten Burg und Jerichow, die an diesem Morgen als Komponente des Katastrophenschutzes des Landkreises mit dem Zug „Technische Hilfeleistung“ zugegen sind.

Dabei, aber nicht zu sehen, weitere zehn ehrenamtliche Helfer im Betreuungszug, die sich in Möckern um die Verpflegung der 150 Helfer an diesem Tag kümmern.

„Die Großübung ist in ihrer Form schon etwas Besonderes“, meinte Jörg Stumpf, noch bevor die ersten Rettungskräfte am vermeintlichen Unglücksort eintreffen. Da ist es gerade 8.30 Uhr. Er und seine Kollegen Lux und Krüper haben sprichwörtlich alles minutiös durchgeplant. „Alle unter einen Hut zu bekommen war gar nicht so einfach“, erklärt Marco Krüper, der sich, ebenso wie Stumpf und Lux bei den Firmen Brameier und Engelkrane bedankt. „Die Firma Brameier hat uns den Bus kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dank ihrer Technik und der Krantechnik der Firma Engelkrane können wir ein Unfallereignis simulieren, das auch den Feuerwehren die Möglichkeit lässt, ihre Fähigkeiten weiter zu professionalisieren.

Einen Dank richtet wenig später auch der Beigeordnete und Stellvertreter des Landkreises, Thomas Barz, an alle Beteiligten und an die unterstützenden Firmen. Er selbst war in seiner Jugendzeit beim Deutschen Roten Kreuz aktiv und verrichtet nun einen ehrenamtlichen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr. Deshalb ist es ihm auch wichtig, dass mit der Übung ein Zusammenwachsen der Blaulicht- und Rettungsorganisationen erfolgt. An die Firmen Brameier und Engelkrane gerichtet erklärt Barz: „Beide sind starke Partner für uns und die Rettungskräfte auf der Bundesautobahn 2.“

Diese starke Partnerschaft soll sich auch bei der Großübung entwickeln. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Hilfs- und Rettungsorganisationen soll vertieft und ausgebaut, das vorhandene Wissen abgerufen und eingesetzt werden. Automatismen sollen bei allen weiter gefestigt und natürlich auch Fehler erkannt werden.

So weit war es aber noch nicht. Zunächst gilt es für die 20 Notfalldarsteller ihre Plätze in dem umgekippten Bus einzunehmen und viel Lärm zu machen. Ihre Schreie und ihr Stöhnen sollen den ersteintreffenden Notarzt und die beiden, im Rettungswagen folgenden, Notfallsanitäter schon zu Beginn fordern. Der Einstieg in den Bus erfolgt über eine schmale Dachluke, erfordert deshalb Beweglichkeit und Orientierungssinn. Schließlich ist das Bild im Innern eines umgekippten Busses ein völlig anders, als es sonst von einem stehenden Bus der Fall ist. Nach der Zählung der Unfallopfer geht es daran, die notwendige Triage, also die Kategorisierung und Priorisierung der Verletzungen nach ihrer vitalen Bedrohung, vorzunehmen. „Hier müssen Entscheidungen getroffen werden, die durch das vorhandene medizinische Fachwissen abgesichert sind“, erklärt Christian Lux dazu.

Nachdem insgesamt 25 Unfallopfer identifiziert und anhand ihrer Verletzungen in der Behandlung priorisiert sind, zeigt sich das ganze Ausmaß des simulierten Unglücks. Der Leitende Notarzt (LNA) fordert deshalb, in Abstimmung, die Schnell Einsatzgruppe (SEG) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land e. V. und den Behandlungsplatz 50 (BHP 50) des Landkreises an. Mittlerweile ist die Feuerwehr angerückt, beginnt zunächst damit Rettungsöffnungen an verschiedenen Stellen des Busses zu schaffen, durch die die eintreffenden Rettungsassistenten und Notfallsanitäter einen Zugang zu den Verunglückten erhalten. Die Einsatzstelle füllt sich. Drei Rettungswagen (RTW), vier Krankentransportwagen (KTW), ein Mehrzweckfahrzeug (MZF), zwei Notarztfahrzeuge (NEF) und zwei Mannschaftstransportfahrzeuge (MTF) des Rettungsdienstes stehen mittlerweile neben drei Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr bereit.  Krankentragen, Schleifkorbtragen und Spineboards werden im Eiltempo herangebracht. Leichtverletzte bereits behandelt. Andere werden getragen und an Patientenablage versorgt. Hier entscheidet der LNA, gemeinsam mit den anderen Notärzten die weitere Behandlung, die in den Zelten des mittlerweile von der Feuerwehr aufgebauten BHP 50, erfolgt. Ehe zum Abschluss der Abtransport in die Krankenhäuser erfolgt.

Jörg Stumpf zieht am Ende ein positives Resümee. „Die Übung ist gut gelaufen. Die gemachten Fehler waren nicht gravierend. Die von uns erarbeitete Zeitplanung hat genau gepasst“, konstatiert er und verwies darauf, dass durch die Teilnahme von Andreas Krebs und Thomas Posselt, von der DRK-Landesrettungsschule, die Möglichkeit zu einer detaillierten Auswertung gegeben ist. Diese soll, so Stumpf, in etwa vier Wochen anhand von Bild- und Videomaterial stattfinden. „Wir werden dazu auch die Feuerwehr und die Notärzte einladen“, meinte er beinahe selbstverständlich. Für ihn ist es wichtig, noch einmal den vielen ehrenamtlichen Helfern für ihre Bereitschaft zur Teilnahme an der Übung zu danken. „Ohne die große Anzahl an Kräften der Feuerwehren wäre diese Übung nicht möglich gewesen“, weiß er.

Einen kleinen Ausblick wag der Rettungsdienstleiter bereits. „Es gibt Überlegungen jährlich eine Übung durchzuführen, allerdings in kleinerem Rahmen. So können wir das Konzept zum Massenanfall von Verletzten (MAN-V) im Fokus behalten und die Kommunikation unter den einzelnen Rettungsorganisationen stärken“, gibt er zu verstehen. Um 11.45 Uhr ist der letzte Patient abtransportiert und die Übung beendet. Die abschließenden Worte an alle Beteiligten findet Dr. Karsten Beyer, der danach alle in das wohlverdiente Wochenende entlässt.

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