Regionalverband
Magdeburg-Jerichower Land e.V.


 

100 Tage ist es her, dass zehn Auszubildende aus Deutschland beim DRK-Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land e. V. ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft antraten.
Nun erzählen fünf von ihnen, wie sie die ersten 100 Tage erlebten und ob ihre Entscheidung zur Ausbildung noch immer unberührt ist. Eines vorweg: Alle haben beruflich gefunden, was sie gesucht haben.

 

Burg | Schichtdienste gibt es für die Auszubildenden des ersten Lehrjahres noch nicht. Dafür aber eine Erkenntnis: „Mein Alltag hat sich mit dem Beginn der Ausbildung deutlich verändert“, erzählt Celina Quitzke. Bestätigt wird sie dabei von Joelina Schukowski. „Nach dem Dienst lege ich mich erst einmal hin und schlafe“, berichtet sie. Den Grund dafür kennen alle fünf Auszubildenden. „Den ganzen Tag bekommst Du neue Eindrücke, neue Dinge gezeigt, musst dich konzentrieren. Hinzu kommen die Aktivitäten, die es im Tagesplan gibt. Von der Grundpflege der Bewohner über die Mahlzeiten bis hin zur Reinigung. Kopf und Körper sind ständig in Betrieb, um die Aktivitäten des täglichen Lebens der Bewohner unterstützend begleiten zu können“, erklärt Michelle Lischke. Die Fachbereichsleiterin Ausbildung, Nadine Thiele und der Leiter des DRK-Seniorenzentrums "C. A. Gottfried Pieschel", Sebastian Rudolph, hören interessiert zu und nicken hier und dort mit dem Kopf. Thiele ist es dann auch, die den Auszubildenden die Unsicherheiten nimmt, die mit den Aussagen einhergehen.

Respekt für den Beruf

„Die Praxisanleitung von 400 Stunden in der stationären Pflege ist anspruchsvoll. Allein deshalb, weil wir ein eigenverantwortliches Lernen voraussetzen. Dazu gehört es eben auch die theoretischen Orientierungsansätze, die mit den Lernfeldern und Kompetenzbereichen in der Berufsschule vermittelt werden, in der Praxis anzuwenden“, so Thiele.
Bei so viel Hingabe für die Pflege, für den Menschen, der Unterstützung bei seinen täglichen Dingen benötigt, spielt der Freundes- und Familienkreis auch bei den Auszubildenden eine wichtige Rolle. Alle fünf hatten vor ihrem Ausbildungsbeginn bereits Kontakt mit der Pflege innerhalb der Familie und wussten, was Pflege bedeutet. Für die jeweiligen Freundeskreise hingegen öffnete sich mit den Gesprächen über den Ausbildungsalltag eine gänzlich unbekannte Welt. Eine Welt, der mit Respekt begegnet wird. „Ja, meine Freunde haben mir schon mehrfach Respekt ausgesprochen, dass ich in der Pflege arbeite“, erzählt Michelle Lischke.
Dieser Respekt dürfte noch größer werden, wenn die Auszubildenden die weiteren Lehrjahre durchschritten haben. „Die Auszubildenden des ersten Lehrjahres dürfen nur mit Bewohnern interagieren, sie unterstützen und pflegen, wenn ein geringer Pflegeaufwand notwendig ist. An Demenz Erkrankte zählen hierzu nicht. Erst im zweiten und dritten Lehrjahr steigern sich die Krankheitsbilder, bis die Auszubildenden ihre Praxisanleitung in der Psychiatrie durchführen. Die Steigerung ist dabei den theoretischen und praktischen Erfahrungen angepasst. So werden alle Praxisanleitungen, egal ob in der ambulanten oder stationären Pflege, in den Kindertageseinrichtungen oder eben der Psychiatrie von Lernfeldern und Kompetenzbereichen begleitet, die in der Berufsschule vermittelt werden“, so Thiele.

Pflege braucht Empathie

Sie weiß aber auch: „Pflege ist nicht für jeden etwas. Da kommen mitunter Gerüche, Charaktere und Berührungsängste auf einen zu, die vorher gedanklich nicht so durchgespielt wurden.“ „Die Pflege braucht Empathie. Wer die besitzt, der kann auch pflegen“, ist sich Jil Müller sicher. Bestätigung dafür bekommt sie von Sebastian Rudolph, der sich auch heute noch hier und da trotz Einrichtungsleitung in die Pflege begibt und die Administration liegen lässt. So erhält er Einblick und sieht Probleme, die auch in der Pflege vorkommen. Für die Auszubildenden hat er deshalb einen Hinweis: „Lest euch zu jedem Bewohner den ihr unterstützen und begleiten dürft, die entsprechende Biografie durch. So erfahrt ihr nicht nur etwas über das Leben und den Menschen selbst, sondern auch über seine Eigenarten. Ihr lernt den Menschen schon vor der ersten Begegnung ein wenig kennen und könnt euch entsprechend darauf einstellen.“ Ein praktisches Beispiel hat er hierfür auch: „Wenn ein Demenzerkrankter sein Leben lang die Zähne nur mit Wasser geputzt hat, dann wird er euch den Mund nicht öffnen, wenn ihr es mit Zahnpasta versucht. Ihr werdet euch also wundern warum er das nicht tut, wenn ihr nicht vorher seine Biografie gelesen habt.“
Vorschläge haben aber auch die Auszubildenden selbst. Um ein Vertrauensverhältnis zu den Bewohnern aufbauen zu können, das einen ganzheitlichen Ansatz erst ermöglicht, wünschten sie sich immer die gleichen Bewohner zu unterstützen. So könnten die sozialen Kontakte und die Kenntnisse über die jeweiligen Bewohner vertieft werden und ein Abgleich zwischen der Biografie, der Pflegeplanung und den tatsächlichen Tätigkeiten besser erfolgen. Das verstanden auch Thiele und Rudolph. „Fragt die Fach- und Hilfskräfte. Warum ist das so? Weshalb wird da so gemacht? Das hilft nicht nur euch, sondern auch den Fach- und Hilfskräften, denn sie reflektieren ihre Tätigkeiten. Erfahrung ist nicht Routine. Es geht in der Pflege immer um ein Verstehen und Lernen“, so Rudolph.

Letztes Zuhause – letzter Weg

Für die allermeisten Bewohner von Pflegeeinrichtungen ist die stationäre Aufnahme der letzte Weg in ihrem Leben. Sie erhalten in den Einrichtungen zumeist ihr letztes Zuhause. Die Fach- und Hilfskräfte sowie die Auszubildenden sind deshalb für die Bewohner, Bezugspersonen und Sozialkontakte. So fragen Bewohner schon mal nach bestimmten Pflegekräften. Die Bewohner selbst sind aber auch für die Fach- und Hilfskräfte und für die Auszubildenden Personen, mit denen eine bestimmte Bindung besteht. „Für viele sind wir der Bezug zur Außenwelt“, weiß auch Michelle Lischke. „Betreuung und Versorgung sind die festen Säulen der Pflege. Hierzu zählen auch Gespräche und zwischenmenschliche Interaktionen wie einfache Berührungen“, weiß die Fachbereichsleiterin Ausbildung zu berichten. Der ganzheitliche Ansatz der Pflege besteht eben 24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr. Die Dankbarkeit, die viele Bewohner dem Pflegepersonal entgegenbringen, kennen auch die Auszubildenden. „Es freut mich immer, wenn ich mich mit den Bewohnern unterhalten kann, das ist toll“, meint beispielsweise Michelle Lischke. Doch bei aller Freude über die gegebene Unterstützung und die Einbeziehung zur Aufrechterhaltung eigener Fähigkeiten kommt auch in der Pflege einmal der Tag, an dem sich ein Bewohner von dieser Welt verabschiedet. Das wissen auch die Auszubildenden, die sich mit dem Thema des Abschieds bereits theoretisch beschäftigten.
Yaya Fatty hatte diesen Fall bereits miterleben dürfen. „Es war sehr angenehm für die Bewohnerin, dass ich bei ihr sein durfte, bis sie einschlief“, berichtet er und fügt hinzu: „Traurig war ich trotzdem. Aber Trauer ist ein Teil meiner Tätigkeit.“ „Das ist ein Prozess. Das Gehenlassen ist ein Lernprozess, auch wenn es einen nie ganz kalt lässt“, weiß auch Thiele.

Begleitung über die gesamte Ausbildungszeit

Auf die Frage, was die Auszubildenden wohl in den nächsten 100 Tagen ihrer Ausbildungszeit erwarten wird, reagieren alle fünf mit einem Achselzucken. Nadine Thiele springt ein. „Ihr werdet demnächst viele Feierlichkeiten in euren Einrichtungen haben. Weihnachten. Neujahr. Dann werdet ihr den Praxisbereich hin zur ambulanten Pflege wechseln und neue Lernfelder in der Berufsschule kennenlernen“, gibt sie ihren Auszubildenden mit auf den Weg. Wenn dieser Weg beendet ist, dann fragen wir noch einmal bei den Auszubildenden nach, wie das so ist in einem Pflegeberuf und wohin die Tendenzen gehen.

 

 Auch die Pflegedokumentation übernehmen die Auszubildenden. Wie hier Yaya Fatty. Die Auszubildenden Celina Quitzke und Michelle Lischke bei der Bewohnerbetreuung. Die tägliche Zeitungsschau vermittelt den Bewohnern nicht nur Informationen sondern schaffte auch eine Bindung. Deshalb liest Auszubildende Joelina Schukowski den Bewohnern vor. Nadine Thiele erklärt der Auszubildenden Jil Müller die mobile Pflegedokumentation.

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