Regionalverband
Magdeburg-Jerichower Land e.V.


 

Pflegefachkräfte sind begehrt. Die alternde Gesellschaft macht den steigenden Bedarf nach Fachkräften in der Pflege immer deutlicher. Doch ist die Arbeit bei vielen verpönt. Zu schwer, zu nah am Menschen. Die Gesellschaft kehrt den Pflegebedürftigen den Rücken. Ein Umstand, der weitreichende Folgen haben kann.

Jerichower Land | „Es zeichnet sich ab, dass sich die Suche von pflegenden Familien nach fachlicher Unterstützung erhöht“, erklärt es DRK-Vorstand Frank Ruth diplomatisch. Was er meint: Der Fachkräftemangel bringt die Mitarbeiter der DRK-Sozialstationen an die Belastungsgrenze.
Ausgebildete Altenpflegekräfte oder Pflegefachkräfte zu finden ist schwierig. Dabei erstreckt sich die Arbeit nicht nur auf das immer wieder vorgebrachte Bild des Windelwechselns und Waschens. „Die Arbeit als Pflegefachkraft ist durchaus anspruchsvoll und keineswegs allein mit der körperlichen Pflege abgedeckt“, weiß auch Ruth, der als Vorstand beim DRK-Regionalverband für den Bereich Pflege verantwortlich zeichnet.
Ein Ende der Spirale aus überlasteten, pflegenden Familien und ausgelasteter ambulanter Pflege ist nicht in Sicht. „Es fehlen schlicht die Mitarbeiter“, weiß auch Angela Baumgarten, Leiterin der DRK-Sozialstation Burg. Zwar gab es in den letzten Jahren erhebliche tarifliche Anpassungen und auch betriebliche Zusatzangebote, zu denen eine zusätzliche Altersvorsorge gehört, um den Beruf attraktiver zu machen, doch Menschen für einen Pflegeberuf zu gewinnen, ist noch immer kein leichtes Unterfangen.
Der DRK-Regionalverband geht deshalb seit einigen Jahren neue Wege, sucht Fachpersonal im Ausland. „Zunächst haben wir qualifizierte Mitarbeiter im Osten Europas angeworben. Mittlerweile fokussieren wir uns auf eine Ausbildung im Regionalverband, um neue Fachkräfte für die Arbeit bei uns zu begeistern. Hierbei haben wir Kooperationen geschlossen, die weltweit Auszubildende für die Pflege werben“, berichtet Ruth.

Ambulante Pflege wichtig

Um hier schon im Vorfeld anzusetzen, ist die Stärkung der ambulanten Pflege wichtig. „Wir sind ständig auf der Suche nach Pflegefach- und Pflegehilfskräften“, bestätigt auch die Leiterin der Sozialstation Burg. Nach ihren Angaben muss sich mittlerweile Anfragen von bis zu fünf Patienten im Monat ablehnen. „Die Anfragen für eine ambulante Pflegebetreuung erreichen mich mittlerweile aus dem gesamten Landkreis“, berichtet sie.
Eigenverantwortliche Arbeiten, digitale Dokumentation und der Kontakt zu den Patienten, die einen als vertraute und bekannte Person betrachten, ist ein Zugewinn für einen selbst“, weiß auch die Leiterin der DRK-Sozialstation Magdeburg, Katja Kapsch.
Deshalb wird beim DRK-Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land e. V. der ambulanten Pflege eine hohe Beachtung geschenkt. „Wir wollen, dass Menschen so lang wie möglich ein eigenständiges und selbstorganisiertes Leben führen können, deshalb sind wir sehr bedacht, die ambulante Pflege attraktiv für unsere Mitarbeiter zu gestalten“, erklärt Ruth.


Kein Personal, keine Betten

Was aber passiert, wenn pflegende Familien den Spagat zwischen Familie, Beruf und Pflege nicht mehr bewältigen können und Hilfe von außen nicht zu erwarten ist? „Der Weg in eine stationäre Einrichtung ist dann häufig zu beobachten“, erklärt der Leiter des DRK-Seniorenzentrums Magdeburg, Dennis Wagener.
Mit dem Verlassen der eigenen Häuslichkeit aber geht auch für zu Pflegende ein Stück Lebensqualität verloren. Die fehlende Nähe zur Familie wird beklagt. Die Bindungen werden geringer.
„Ja, das beobachten wir in unserem Haus auch. Viele Bewohner vermissen ihre Angehörigen. Haben Sehnsucht nach ihrem Zuhause“, bestätigt der Leiter des DRK-Seniorenzentrums C.A. Pieschel, Sebastian Rudolph und fügt an: „Die Bewohner werden bei uns in den Alltag integriert und animiert, damit sie nicht vereinsamen.“ Auch das bindet Kräfte. Hilfspflegekräfte sind deshalb ebenso gesucht wie Pflegefachkräfte.
Allein das ist ein alarmierendes Signal und doch ist es nicht deutlich genug. Denn ohne Pflegefachkräfte auch keine stationäre Pflege. „Wir müssen uns an einen bestimmten Fachkräfteschlüssel halten. Dieser liegt bei 60 Prozent Fachkräfte und 40 Prozent Hilfskräfte in den Einrichtungen. Können wir diesen aufgrund fehlenden Personals nicht erfüllen, müssen wir Anträge auf Aufnahme in stationäre Pflege ablehnen“, konstatiert Ruth.
Rund 80 Prozent der Anträge lehnt nach eigenen Angaben derzeit Sebastian Rudolph pro Monat ab. Die ohnehin überlasteten Familien werden allein gelassen.

Arbeit mit vielen Fassetten

Dass eine Pflegefachkraft nur für das Verbringen von Körperausscheidungen da ist und schwer heben muss, ist ein weitverbreiteter Trugschluss, wie Wagener bestätigt.
„Eine Pflegefachkraft benötigt Führungskompetenz. Sie ist für ein ganzes Team aus Pflegehelfern, Auszubildenden und Praktikanten verantwortlich. Ihr obliegt alleinig die Behandlungspflege, die Medikation und das Medikamentenmanagement. Sie ist für die Tageskoordination und Dokumentation zuständig“, erklärt Wagner weiter.
Die Pflegehilfskraft unterstützt bei diesen Tätigkeiten. Übernimmt also neben der Grundpflege und Versorgung auch Teile der Dokumentation und begleitet die Pflegebedürftigen in ihrem Alltag.
„Es ist eine unheimlich vielseitige und anspruchsvolle Tätigkeit, aus der viel für das eigene ich gewonnen werden kann. Unsere Bewohner sind nicht nur Alt, sie sind vor allem Weise und haben viel zu berichten und auch mal einen guten Rat“, weiß auch Rudolph zu berichten.
„Menschen mit einer sozialen Ader, die gern mit Menschen arbeiten, sind im Berufsfeld der Pflege genau richtig. Allen meinen Mitarbeitern im Pflegebereich gelten deshalb täglich mein größter Respekt und mein stetiger Dank“, meint Frank Ruth abschließend.

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