Regionalverband
Magdeburg-Jerichower Land e.V.


 

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat sich in seiner Sitzung am 19. Dezember 2019 mit dem immer stärker werdenden Phänomen der Gewalt gegen Retter und Pflegekräfte beschäftigt. Dabei hielt auch unser ehemaliger Mitarbeiter und ehrenamtliches Mitglied im Katastrophenschutz, Markus Kurze (CDU), eine Rede. Grund für den DRK-Regionalverband einmal selbst zu reflektieren und in den Bereichen Rettungsdienst und Pflege nachzufragen.
Eines vorweg, Gewalt gegen Retter und Pflegekräfte ist auch bei unseren Mitarbeitern nicht unbekannt.
Kurze, der in seiner Rede von einer Verrohung in einem sensiblen Bereich sprach, legte Zahlen vor. Demnach hätten bereits 90 Prozent aller Rettungs- und Pflegekräfte schon einmal physische und psychische Gewalt im Einsatz oder Dienst erlebt. 60 Prozent der Rettungskräfte und Mediziner haben laut Kurze bereits Gewalterfahrungen in Notaufnahmen und an Unfallorten. 13 Prozent davon sprachen von körperlicher Gewalt. „Dem müssen wir entgegenhalten“, meinte Kurze in Richtung seiner Parlamentskollegen.
Die Rettungs- und Notfallsanitäter, sowie Rettungsassistenten der DRK-Rettungsdienst Magdeburg-Jerichower Land gGmbH des DRK-Regionalverbandes Magdeburg-Jerichower Land e. V. haben ihre eigenen Geschichten.
So berichtet Notfallsanitäter Andreas Schwarz, dass es im Landkreis Jerichower Land nicht so ist, wie in Großstädten, es dennoch eine bestimmte Klientel gibt, bei der Gewalt in ihren Formen zu erwarten ist. „Wir stellen uns dann darauf ein“, bestätigt ihn Rettungsassistent Dennis Streuer und fügt an: „Bei stark alkoholisierten Patienten sind verbale Drohungen durchaus zu erwarten und auch bereits vorgekommen. Damit können wir aber umgehen.“
Seine Kollegen gaben die Häufigkeit von verbalen Drohungen mit rund einem Prozent des Einsatzgeschehens an. „Körperliche Angriffe und Ausschreitungen, wie sie bereits aus Großstädten an die Öffentlichkeit gelangt sind, gibt es im Jerichower Land allerdings nicht“, so die Retter. Notfallsanitäter Thomas Külbel hat in diesem Zusammenhang noch einen anderen, wichtigen, Hinweis, was den Respekt für Retter betrifft. „Das häufige Fehlen der Rettungsgassen ist ein schwerwiegendes Problem für uns und die an einem Unfall beteiligten Patienten“, meint er und lässt wissen, dass damit auch der fehlende Respekt gegenüber den verunfallten Menschen und die teils lebensnotwendige, schnelle Hilfe fehlt.
Markus Kurze machte in seiner Rede den Vorschlag, dass Retter und Pflegekräfte besonders geschult werden sollten. „Die dafür notwendige Zeit sollte ihnen zur Verfügung gestellt werden“, erklärte er. Aus seiner Fraktion kam der Antrag eines runden Tisches, an dem Leistungserbringer und Kostenträger Maßnahmen entwickeln sollten, die zu mehr Respekt für Retter und Pflegepersonal, aber auch zu einer besseren Sicherheit der Rettungskräfte führen. „Es sind täglich schwierige Situationen, die Pfleger und Rettungspersonal ausgesetzt sind“, erklärte Kurze und bezeichnete die vermehrt auftretende Gewalt gegen Rettungskräfte als erstaunlich und erschreckend.
Im Bereich der Pflege hat der Leiter des DRK-Seniorenzentrum „Carl August Gottfried Pieschel“, Sebastian Rudolph eine eigene Meinung. Für ihn erfolgen verbale Ausfälle von Bewohnern krankheitsbedingt. „Die eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten, die bei verschiedenen Krankheitsverläufen auftreten, haben zur Folge, dass es zu verbaler Gewalt gegen das Pflegepersonal kommt. Unser Personal ist dahingehend aber geschult“, teilt er mit. Vier Schulungen pro Jahr bietet der DRK-Regionalverband, als externe Schulung, für sein Pflegepersonal im Bereich „Gewalt in der Pflege“ an. Eine genaue prozentuale Zahl zur Gewalt im Pflegebereich kann Rudolph nicht nennen. „Das ist bei den Bewohnern nicht nur krankheits- sondern auch tagesformabhängig“, konstatiert er.
Für den DRK-Regionalverbandvorstand Andy Martius ist das Thema Gewalt im Rettungsdienst und Pflegebereich dennoch ein Wichtiges. „Wer anderen hilf, der sollte den notwendigen Respekt für seine Arbeit erfahren. Von den Patienten, den zu Pflegenden und der Gesellschaft. Die Abnahme dieses Respekts sollte uns ein Alarmsignal sein. Auch die erschreckenden Aktionen in Berlin und Leipzig in der Silvesternacht oder im letzten Jahr gegenüber der Genthiner Feuerwehr haben gezeigt, dass das Thema aktuell und im Landtag nicht nur aus der Luft gegriffen war. Ich wünsche mir mehr Respekt für die Einsatzkräfte.“, heißt es dazu von ihm.

Gewalt gegen Rettungskräfte und Pflegepersonal ist auch beim DRK-Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land e. V. nicht unbekannt.

Auch auf dieser Seite werden Cookies verwendet. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um die Seite zu optimieren. Damit die Webseite wie gewünscht funktioniert, stimmen Sie bitte der Verwendung durch Cookies zu, indem Sie auf Akzeptieren klicken. Solange Sie nicht auf Akzeptieren geklickt haben, wird kein Cookie gesetzt.
Datenschutzerklärung Akzeptieren Ablehnen